Dr. Anna Haut
Wissenschaftliche Leiterin des Museums Friedland
Vortrag
Fluchtpunkt Friedland. Geschichte und Gegenwart des Grenzdurchgangslagers Friedland als Ankunftsort
Abstract
Das Grenzdurchgangslager Friedland ist seit seiner Gründung im Herbst 1945 ein Ort vielfältiger Migrationen – mehr als 4 Millionen Menschen haben seitdem das Lager auf der Suche nach einem neuen Leben durchlaufen. Zunächst wurden hier Flüchtlinge, Vertriebene, Kriegsevakuierte und Kriegsheimkehrer betreut, anschließend jahrzehntelang Aussiedler:innen und bis heute Spätaussiedler:innen. Die Aufnahme internationaler Flüchtlinge – etwa aus Ungarn, Chile und Vietnam – stellte bis 2011 eine Ausnahme dar. Seitdem ist das Grenzdurchgangslager Friedland eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Niedersachsen und betreut neben Spätaussiedler:innen auch Menschen aus aller Welt, die als Asylsuchende und im Rahmen von Resettlement- und Humanitären Aufnahmeprogrammen nach Deutschland kommen. Seit 2016 dokumentiert, erforscht und präsentiert das Museum Friedland die Geschichte und Gegenwart des Grenzdurchgangslagers, sammelt Zeitzeug:innenberichte und unterstützt forschende Familienangehörige. Der Vortrag zeichnet die Geschichte und Gegenwart des Grenzdurchgangslagers als Ankunftsort nach und informiert über die Möglichkeiten der Recherche zu Angehörigen, die das Grenzdurchgangslager durchlaufen haben.
Kurzvorstellung
Dr. Anna Haut, Jahrgang 1987, ist seit 2019 Wissenschaftliche Leiterin des 2016 gegründeten Museums Friedland, dessen Gegenstand die Themen Zwangsmigration und Integration von 1945 bis heute sind. Der Aufbau und die Erweiterung eines noch jungen Museums, das im ländlichen Raum bundesrepublikanische Geschichte erzählt, sind ihre aktuellen Prioritäten. Dabei legt sie Wert auf eine partizipative und mehrsprachige Museumsarbeit, die Menschen mit und ohne Fluchterfahrung aus verschiedenen Generationen und Kulturkreisen zusammenbringt und einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts leistet. Aktuell erarbeitet sie eine zweite Dauerausstellung im entstehenden Erweiterungsbau des Museums zu den Migrationsbewegungen der letzten Jahre.