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Dr. Felicitas Söhner: Forschungsethische Anforderungen und Standards bei der Archivierung von Zeitzeugendokumenten

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Das Konzept der Oral History berührt Historiker, Praktiker wie Rezipienten, die sich auch außerhalb der traditionellen Geschichtswissenschaft bewegen können. Dieser Ansatz lässt es zu, sich der Geschichte „von unten“ bzw. „von innen heraus“ zuwenden. Forschungsethische Fragen sind in allen Phasen des Forschungsprozesses von der Planung über die Durchführung bis zur Publikation von Bedeutung und müssen immer wieder reflektiert werden. Dies gilt für qualitative Forschung in besonderem Maße, da hier eine persönliche Beziehung zwischen den Forschenden und den Beforschten eingegangen wird.

Forschungsethische Grundsätze im Umgang mit zeitzeugenbasierten Quellen wurden in fachspezifischen Ethik-Kodizes formuliert; einige dieser Grundsätze werfen besondere Fragen auf. Zwar bietet der hohe Stellenwert der Selbstreflexivität grundsätzlich gute Voraussetzungen für ethisch reflektiertes Forschungshandeln, es ist jedoch unklar, ob und wie dieses Potenzial genutzt wird. Aus der Vielzahl der Herausforderungen, die sich aus der Besonderheit des Archivmaterials ergeben, möchte ich drei herausgreifen: die Anonymisierung, die Erschließung und den physischen Verfall.

Bislang werden forschungsethische Fragen in der deutschsprachigen qualitativen Methoden-Debatte nur selten explizit diskutiert. Dabei besteht ein Diskussionsbedarf, unter anderem weil bestimmte Grundsätze nicht realisierbar sind und neue Technologien im Zeitalter des Internets neue Fragen aufwerfen

Ziel aller Bemühungen ist es, für alle Beteiligten größtmögliche Transparenz herzustellen, die bestehenden Konzepte zu Ethik und Datenschutz kontinuierlich weiter zu entwickeln und in diesem Sinne einen Beitrag zur Qualität qualitativer Forschung zu leisten

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