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Gerhard Beck: Geschichte der Judengemeinden im Ries

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Die Geschichte der jüdischen Gemeinden im Ries ist eng mit den Grafen von Oettingen verbunden. Im Jahr 1331 erhielt Ludwig VI. zu Oettingen durch Kaiser Ludwig den Bayern das Privileg, in seiner Grafschaft Juden anzusiedeln. Jedoch lebten bereits vorher Juden hier, denn im Zusammenhang mit den für das Jahr 1298 bezeugten Rintfleisch-Pogromen sind auch fünf Orte in der Gegend genannt, in denen Juden ermordet worden sind. Die Geschichte der Juden ist über die Jahrhunderte geprägt von Duldung und Ausgrenzung bis hin zur Vertreibung und Vernichtung. Die Stadt Nördlingen beispielsweise hat ihrer Judengemeinde durch Ausweisung im Jahr 1507 ein Ende bereitet. Erst ab 1860 konnte sich hier wieder eine jüdische Gemeinde bilden.  Die jüdischen Ansiedlungen der Neuzeit hatten sich fast ausnahmslos im oettingischen Territorium gebildet. Ein Dutzend solcher Gemeinden gab es im Ries.  Besondere Bedeutung hatten die beiden uralten Gemeinden in Oettingen und Wallerstein. Aber auch in Harburg und Hainsfarth waren bedeutende Judengemeinden entstanden. Teilweise betrug der Anteil an der Bevölkerung mehr als die Hälfte. Während vorher die Juden nur in den Bereichen Handel und Geldverleih tätig waren, wurde mit dem bayerischen Judenedikt von 1813 auch das Handwerk und die Landwirtschaft für diese Bevölkerungsgruppe geöffnet. Gleichzeitig mussten sich die Familien vererbliche Namen geben. Im 19. Jahrhundert setzte eine massive Auswanderung in die Städte und nach Amerika ein. Die Verfolgungen im Nationalsozialismus gipfelten schließlich in der Deportierung der letzten hier lebenden Juden im Jahr 1942 in die Vernichtungslager.

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