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Dr. Tanja Fittkau - Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven - Die Überfahrt

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Die Referentin:

Dr. Tanja Fittkau

  • geboren 1973 in Hamburg
  • Studium der Geschichte und der Neueren deutschen Literaturwissenschaft an der FernUniversität Hagen
  • Seit Februar 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven; Betreuung und seit 2019 Leitung der Museumssammlung; Kuratorin verschiedener Sonderausstellungen; 2018 Promotion über die Überfahrtsbedingungen von Migranten und deren Erfahrungen an Bord 1830 bis 1932

 

Der Vortrag:

Die Überfahrt

SAMSTAG 11.09.2021   10 bis 11 UHR

 

Egal aus welchen Motiven die mehr als 5 Millionen deutschen Auswanderer ihre Heimat im 19. Jahrhundert auch verließen – lag ihr Ziel in Übersee, hatten sie eines gemeinsam: Sie alle mussten die Überfahrt an Bord eines Schiffes absolvieren, denn Schiffe waren im 19. Jahrhundert das einzige zur Verfügung stehende Transportmittel. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren dies Handelsschiffe, deren Kapitäne einzelne Auswanderer oder auch kleinere Gruppen als zusätzliche Fracht mitnahmen.

Mit der in den 1830er Jahren in größerem Umfang einsetzenden deutschen Auswanderung brachte der Transport von Auswanderern den deutschen Reedern zunehmend wirtschaftliche Gewinne ein, und immer mehr Frachtschiffe wurden mit behelfsmäßigen Vorrichtungen für den Auswanderertransport ausgestattet. Missstände wie Überbelegungen der Schiffsräume, ungenügende Verpflegung und hygienische Mängel mit gesundheitlichen Folgen für die Passagiere zeigten schnell die Notwendigkeit einer übergeordneten Regelung des Personentransports.

Der Bremer Senat erließ ab 1832 zahlreiche Verordnungen und Gesetze rund um die Transportbedingungen auf den Auswandererschiffen, Hamburg folgte dem Beispiel. Innerhalb weniger Jahre etablierte sich die Passagierschifffahrt als bedeutende Einnahmequelle und entwickelte sich zu einem eigenständigen Geschäftszweig. Die deutschen Segelschiffe erlebten eine Hochzeit, sie brachten Passagiere und Fracht in alle Teile der Welt – bis die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommende Konkurrenz der Dampfschiffe sie aus dem Personentransport verdrängte. Die Dampfschiffe fuhren schneller und absolvierten entsprechend mehr Fahrten als die Segelschiffe, boten durch den Maschinenantrieb planbare Reisezeiten sowie für Passagiere unter anderem komfortablere Unterbringung, vorteilhaftere hygienische Bedingungen und eine quantitativ wie qualitativ bessere Verpflegung.

Der Auswanderertransport erlebte im 19. Jahrhundert große Umbrüche: das Transportmittel entwickelte sich vom Segel- zum Dampfschiff; die Reisezeit verkürzte sich von vielen Wochen auf wenige Tage; aus dem zusätzlichen Frachtgut Mensch wurde der Passagier, aus der Überfahrt als Mittel zum Zweck und notwendigem Übel ein angenehmes Erlebnis.  

Der Vortrag gibt einen Einblick in diese Entwicklungen und in die Erfahrungen der Reisenden an Bord.

 

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

 

Wie fühlt es sich an, auszuwandern und die alte Heimat für immer hinter sich zu lassen? An der Kaje – der detailgenauen Rekonstruktion einer Kaianlage um 1880 – lässt sich der schwierige Moment des Abschieds nachempfinden. © Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

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